La Paz, die Yungas und Copacaban/Titicacasee

Nachdem es uns recht schnell wieder gut ging, haben wir uns das bolivianische “Valle de la Luna” angeschaut und uns am nächsten Tag in die Chaos-City La Paz gewagt. Die Stadt liegt am Berg auf ca 3800 m und fast alle Straßen haben eine krasse Steigung – teilweise 20 % und mehr – dazu der unglaubliche Verkehr und überall Menschen, Hunde, Verkäufer, Minibusse … Zunächst ging es zu Ernesto, einem halb Bolivianer, halb Schweizer, der eine sehr gut laufende Werkstatt in La Paz hat. Leider hatte er so viel zu tun, dass wir vor Ostern nur selber Hand an Willi legen konnten – Frerk hat uns einen neuen Thermostat eingebaut und noch ein paar Kleinigkeiten am Auto erledigt. Am Karfreitag sind wir, wie tausende Pacenos auch, runter in den Yungas- Dschungel gefahren. Die Straße führt zunächst über einen Pass, der auf 4650 m liegt und anschließend runter auf 1200 m – mal wieder “dicke” Luft atmen! Aus La Paz raus standen wir in dem krassesten Stau, den ich jemals erlebt habe: auf einer normalen Straße fuhren die Autos dreispurig und mit völliger Selbstverständlichkeit im Gegenverkehr, es wurde um jeden Zentimeter gekämpft und gehupt und geflucht, was das Zeug hält. Frerk und Willi haben sich aber sehr gut angepasst :-)

Die Straße führt durch alle Klimazonen und unten herrscht dann tropisches Klima: es wachsen Bananen, Papayas, Kaffe und Coca. Zum Glück gibt es seit ein paar Jahren eine neue asphaltierte Straße. Vor nicht allzu langer Zeit lief der gesamte Verkehr über die sogenannte “Todesstrafe”, aber dazu später mehr. Kurz vor dem Dorf standen wir im nächsten Stau – die Bolivianer haben die merkwürdige Angewohnheit, auf der Straße keinen Zentimeter nachzugeben und blockieren so in kürzester Zeit alle Straßen und Kreuzungen.. Zu unserem Stellplatz führte die “Straße” durch üppige Vegetation. Super steil und sehr matschig, aber dank 4×4 sind wir etwas oberhalb der Stadt angekommen. Anscheinend sind alle katholischen Bolivianer nach Copacabana gefahren und alle die feiern wollten, nach Coroico.  Zumindest war abends auf dem Platz ein riesiges Besäufnis. Wir haben den Abend mit zwei Bolivianern aus La Paz verbracht, einem Musiker und seiner Freundin. Er erzählte uns von einer anderen Idee des Karfreitags: da Gott an diesem Tag gestorben ist und erst am Sonntag wieder aufsteht, gibt es für zwei Tagen niemanden, der die Sünden sieht. Folglich nutzen sie dieses Wochenende, um tierisch Gas zu geben – auch eine interessante Variante des Osterfestes :-)

Den Abend haben wir bei einem Freund von Rene mit dem Präsidenten der Ultras von “The Strongest”, einem Fußballclub aus La Paz und seinen Kumpels verbracht. Es gab viele Getränke und Live-Musik, hauptsächlich die Hymnen des Clubs.

Coroico selbst ist eine kleine, aber nette Stadt mit ein paar Restaurants, die auch etwas anderes als Hühnchen, Reis und Pommes servieren. Ostersonntag haben wir zunächst zu Fuß versucht, die Wasserfälle zu finden, allerdings war der Weg zugewuchert, so dass wir doch die Straße gesucht und ein Taxi genommen haben. Der Wasserfall war zwar sehr schön, aber genau wie die Stadt auch super voll – Semana Santa halt.

Zu Beginn der Woche waren wir zurück in La Paz und am Dienstag hatten wir endlich einen Termin bei Ernesto in der Werkstatt. Willi hat nun neues Öl, zur Kontrolle wurde die Kardanwelle rausgebaut und kontrolliert und der Dieselfilter gesäubert. Wir haben die Zeit für die Besichtigung der Stadt genutzt, außerdem haben wir jetzt neu bezogene Polster.

La Paz ist super voll, so dass wir immer wieder gestaunt haben, dass nicht mehr auf den Straßen passiert. Für Außenstehende folgen die Autos keinen erkennbaren Regeln, außer dass der Stärkere Recht hat. Als Fußgänger muss man entsprechend aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen. Neben dem Tourimarkt haben wir uns das kleine, aber schön gestaltete Coca-Museum angeschaut, diverse Plätze und den Hexenmarkt bestaunt (ja, es sind tatsächlich getrocknete Lamaföten, die bringen angeblich Glück beim Neubau eines Hauses!) und eine Mountainbike-Tour gebucht – mit dem Fahrrad die “Ruta del muerte” runter und zurück in die Yungas!

Ruta del Muerto

Letzten Mittwoch ging es früh morgens los. Mit einem chilenischen Pärchen, einem Guide und einem Fahrer fuhren wir zunächst auf den schon erwähnten Pass. Der hing komplett in den Wolken, machte aber nichts, da wir ziemlich gutes Equipment von der Agentur bekommen haben, inklusive Integralhelm und Schienbeinschoner. Der erste Teil der Tour war Highspeed auf Asphalt, so konnten wir uns an die Fahrräder gewöhnen, die mit Scheibenbremsen und doppelter Federung ausgestattet waren. Nach einem kurzen Stück im Auto biegt man dann auf die berühmt berüchtigte Straße ab. Durch einen gesprengten Erdrutsch war die Straße an diesem Tag für Autos gesperrt, wahrscheinlich Glück für uns, da so “nur” die Downhilltouren mit dem Fahrrad auf der Strecke waren. Eine unglaubliche Straße!!! Es herrscht Linksverkehr, damit der Fahrer besser in den Abgrund schauen kann und nicht zu weit rüber fährt, die Straße ist wenn überhaupt einspurig, steinig und durch die vielen Wasserfälle sehr nass und am Rand nicht besonders stabil. Wir sind froh, dass wir mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto unterwegs waren! Da es meistens keine Leitplanken gibt, muss man aufpassen, dass man die Kurven nicht zu schnell nimmt. Trotz des Schotters bekommt man ziemlich viel Geschwindigkeit drauf – was für ein Spaß!! 3300 Höhenmeter downhill, mit Flussdurchquerungen und kaum in die die Pedale treten. Schmutzig, nass und glücklich unten angekommen, gab es eine Dusche, Mittagessen und einen Pool in einem der Hotels, bevor wir mit dem Minibus wieder nach La Paz zurück gefahren sind. Ein weiteres Highlight unserer Reise!!

Am nächsten Tag ging es für uns weiter zu den Ruinen von Tiahuanaco, eine noch nicht ganz ausgegrabene Ruine, eher mittelspannend aber ganz nett. Am Nachmittag haben wir mal wieder eine unserer Abkürzungen genommen und wie immer hat es ziemlich lange gedauert, bis wir wieder auf der Hauptstrecke waren – inklusive Flussdurchquerung und Schotter ohne Ende. Dafür am Rande der Straße viel Dorfleben und tolle Ausblicke auf die Königskordilere am Horizont. An der schmalsten Stelle des Sees fährt eine Autofähre – sehr bolivianisch! Wackelige Planken, ein kleiner Außenborder und ziemlich schaukelig… Nun sind wir in Copacabana am Titicacasee und es ist ziemlich unglaublich, wie riesig der See ist. Über 8000 km2 (dreimal größer als der Bodensee) und wohl bis zu 400 m tief! Gestern sind wir mit dem Boot zur Sonneninsel gefahren, dort sind der Legende nach die Incas entstanden. Das Wetter hat mitgespielt und wir sind über die gesamte bergige Insel gewandert. Man hatte wunderbare Ausblicke auf den Titicacasee und die dahinter liegenden Berge. Da es auf der Insel keine Autos gibt, wird alles auf Eseln transportiert. Was für ein Kontrast zum Autochaos in La Paz!

Heute fahren wir über die peruanische Grenze und werden die nächsten Tage noch am See bleiben. Unser Fazit der letzten Wochen: Bolivien ist ein superschönes und interessantes Reiseland! Wir haben überwiegend nette und ehrliche Menschen getroffen, es ist total vielseitig und man hätte sicherlich noch länger bleiben können. Wir freuen uns jetzt aber auf Peru!!

LaPazbeyond

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Ein Gedanke zu „La Paz, die Yungas und Copacaban/Titicacasee

  1. Wera + VADDER

    Hallo Ihr Lieben – wat Ihr alle so seht – gigantisch :-) neid . neid . neid :-)

    ihr erlebt Dinge von denen wir nur träumen – ja – nicht ahnen das es soetwas gibt!

    Seid weiterhin vorsichtig und genießt Eure wunderschööööööööööööööne Reise -

    Wera + IKKE

    Antworten

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